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Selbständigkeit im Nachwuchsleistungssport: Vom Anweisen zum Entscheidenlernen

Der Trainer, der sich selbst überflüssig macht Autor: Dennis Sandig Was wäre, wenn der Trainer morgen nicht mehr da wäre? Wüsste der Nachwuchsathlet , wie er sich auf ein Training vorbereitet? Könnte er einschätzen, ob er müde oder tatsächlich erschöpft ist? Würde er erkennen, wann er eine Belastung durchziehen kann und wann eine Anpassung sinnvoll wäre? Könnte er nach einem schlechten Wettkampf Probleme analysieren, ohne sofort auf eine fertige Antwort des Trainers zu warten? Diese Fragen führen zu einem Aspekt der langfristigen Athletenentwicklung , über den meines Erachtens zu wenig gesprochen wird: Ein guter Trainer entwickelt nicht nur sportliche Leistung. Er entwickelt zunehmend die Fähigkeit des Athleten, selbst gute Entscheidungen zu treffen .  Der zugrunde liegende Gedanke findet sich auch im Ausgangsmaterial: Mit zunehmendem Alter sollte sich die Verantwortung schrittweise vom Erwachsenen zum Athleten verschieben. Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen Im Nachwuchslei...
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Risikokompetenz statt Risikovermeidung – was der Nachwuchsleistungssport daraus lernen kann

Autor: Dennis Sandig Im Nachwuchsleistungssport versuchen wir aus guten Gründen, Risiken zu reduzieren. Trainingsbelastungen werden geplant, Bewegungsabläufe korrigiert, Wettkampfkalender abgestimmt, medizinische Untersuchungen durchgeführt und immer mehr Daten erhoben. Eltern, Trainer, Ärzte und Verbände tragen Verantwortung für junge Athleten. Niemand wird ernsthaft dafür plädieren, vermeidbare Verletzungen oder Überforderungen als notwendige Bestandteile der Talententwicklung hinzunehmen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie junge Athleten lernen sollen, selbständig mit Belastung, Unsicherheit und schwierigen Entscheidungen umzugehen, wenn Erwachsene versuchen, möglichst viele dieser Entscheidungen für sie zu treffen? Eine interessante Perspektive darauf liefert zunächst ein Forschungsgebiet, das mit Nachwuchsleistungssport gar nicht unmittelbar zu tun hat: die Forschung zum sogenannten risky play oder adventurous play .  „Symbolbild, KI-generiert“ Risiko ist nicht...

Sportler sind keine Lehrbuch-Tabellen: Was ein Bienenschwarm im September über Trainingssteuerung verrät

Schlägt man klassische Lehrbücher der Trainingslehre auf, wirkt die Steuerung sportlicher Leistung herrlich mathematisch: Maximale Herzfrequenz ? 220 minus Lebensalter . Fettverbrennungszone ? Exakt 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Laktatschwelle ? Bei genau 4,0 mmol/l Blutlaktat. Regenerationszeit nach intensivem Reiz? Exakt 48 Stunden . Es ist die Verlockung mechanistischer Einfachheit: Man wirft oben einen definierten Reiz hinein, verrechnet ihn mit einer festen Formel, und unten spuckt das System eine garantierte Leistungsanpassung aus. Moderne Sportuhren treiben dieses Versprechen auf die Spitze, wenn sie Athleten nach dem Lauf auf die Nachkommastelle mitteilen, zu wie viel Prozent sie erholt seien oder wie viele Gramm Fett sie verbrannt hätten. Doch wer in der Praxis der Trainingssteuerung arbeitet, erlebt regelmäßig das genaue Gegenteil. Warum das so ist, führt eine Parabel aus einem völlig anderen Fachbereich vor Augen: der Biologie. Der „September-Schwarm“ als L...

Faszien im Fokus: Zwischen wissenschaftlicher Pionierarbeit, Foamrolling und esoterischem Hype

Kaum ein Thema hat die Trainingswissenschaft, die Physiotherapie und den Fitnessmarkt in den vergangenen Jahren derart polarisiert wie das Bindegewebe . Vor nicht allzu langer Zeit galt das weißliche Geflecht in der klassischen Sektionsanatomie schlicht als „Verpackungsmaterial“, das beiseite präpariert werden musste, um an die „eigentlichen“ Akteure heranzukommen: die Muskeln, Sehnen und Nervenstränge. Heute hat sich das Blatt gewendet. Faszien zieren Buchtitel, füllen Kongresssäle und werden medial nicht selten als Universalschlüssel für Schmerzfreiheit, Leistungsfähigkeit und Geschmeidigkeit gefeiert. Doch mit dem berechtigten wissenschaftlichen Interesse kamen auch die Heilsversprechen: Von dubiosen „Faszien-Entgiftungen“ bis hin zu manuellen Wunderkuren sprießen Geschäftsideen aus dem Boden, die mit fundierter Biomechanik nichts mehr gemein haben. Die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Manche Sportwissenschaftler taten das gesamte Thema in Medienberichten pauschal a...

Wie Pulsuhren und Fitness-Apps Gewissheit verkaufen, die sie gar nicht messen können

 „Sie sind heute zu 82 Prozent erholt.“ „Noch 37 Stunden Regenerationszeit.“ „Heute ist ein guter Tag für intensives Training.“ „Fettverbrennung: 38 Gramm.“ Moderne Sportuhren und Fitness-Apps produzieren erstaunlich präzise klingende Aussagen über unseren Körper. Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität , Schlafdauer, Bewegung und Trainingsdaten werden miteinander verrechnet und am Ende steht eine Zahl, eine Farbe oder eine konkrete Handlungsempfehlung. Grün bedeutet: trainieren. Rot bedeutet: erholen. Das Problem dabei ist nicht unbedingt die Messung. Viele aktuelle Geräte können beispielsweise die Herzfrequenz unter geeigneten Bedingungen inzwischen recht ordentlich erfassen. Das Problem beginnt, wenn aus einer gemessenen Größe eine andere, viel komplexere Eigenschaft des Körpers abgeleitet wird. Eine Uhr misst Herzschläge. Sie misst aber nicht „Erholung“. Und sie misst auch nicht, wie viel Fett gerade verbrannt wird. Moderne Wearables bestehen aus Sensoren und Algorithmen. Der Se...

Übersäuerung durch Ernährung? Warum der Fitness-Mythos im Sport nicht funktioniert

Mythos "Übersäuerung durch Ernährung" Kann falsche Ernährung einen Fußballer „übersäuern“ und sogar schmerzhafte Muskelverletzungen verursachen? Solche Erklärungen klingen erstaunlich plausibel. Jeder, der einmal einen intensiven Sprint absolviert hat, kennt das brennende Gefühl in den Beinen. Gepaart mit Begriffen wie „ Milchsäure “, „ Säure-Basen-Haushalt “ oder „ basische Ernährung “ entsteht schnell eine populäre Geschichte: Die falsche Ernährung macht den Körper sauer, der Muskel macht zu und reißt. D as Problem an dieser Geschichte? Sie würfelt verschiedene physiologische Vorgänge durcheinander, die wenig miteinander zu tun haben. Ein Faktencheck: Der Ursprung für diesen Beitrag: Eintracht Frankfurt und die BILD-Zeitung Ausgangspunkt für den Gedanken, diesen Beitrag zu schreiben, war ein Bericht der BILD-Zeitung über die Ernährungsberatung bei den Profis von Eintracht Frankfurt . Dort wurde behauptet, Fußballer seien durch falsche Ernährung häufig „übersäuert“, was Mus...