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Es werden Posts vom 2014 angezeigt.

Training geht auch im Alltag: Warum Bewegung nicht immer „Sport“ sein muss

„Ich habe keine Zeit für Sport.“ Diesen Satz kennt vermutlich jeder. Beruf, Familie, Termine und die vielen kleinen Verpflichtungen des Alltags sorgen schnell dafür, dass für eine Stunde im Fitnessstudio oder die geplante Laufrunde scheinbar kein Platz mehr bleibt. Das Problem dabei: Unser Körper interessiert sich nur begrenzt für unseren Terminkalender. Er braucht Bewegung. Etwas zugespitzt könnte man sagen: Wer dauerhaft keine Zeit für Bewegung findet, riskiert, irgendwann sehr viel Zeit für die Folgen von Bewegungsmangel aufbringen zu müssen.  Dabei steckt bereits in dieser Formulierung ein wichtiger Unterschied. Es geht zunächst gar nicht um „Training“. Es geht um Bewegung . Bewegung ist mehr als Training Wenn wir über körperliche Aktivität sprechen, denken viele sofort an Sport: Laufschuhe anziehen, ins Fitnessstudio fahren, aufs Rennrad steigen oder eine feste Trainingseinheit absolvieren. Das ist aber nur ein Teil dessen, was unseren täglichen Energieverbrauch und unsere ...

Fettverbrennung und der Mythos Intervalltraining: Muss Training zum Abnehmen immer hart sein?Fettverbrennung und der "Mythos Intervalltraining"

Wer heute nach dem „besten Training zum Abnehmen“ sucht, landet schnell bei drei Buchstaben: HIIT . High-Intensity Interval Training, Tabata oder andere hochintensive Intervallformen werden häufig als besonders effektive Methode zur Fettverbrennung präsentiert. Die Botschaft klingt verlockend: kurz trainieren, maximal anstrengen und dabei mehr Fett verlieren als mit langem, lockerem Ausdauertraining. Intervalle können tatsächlich eine sehr wirksame Trainingsmethode sein. Sie können die Ausdauerleistungsfähigkeit verbessern, starke Trainingsreize setzen und auch zur Veränderung der Körperzusammensetzung beitragen. Der Mythos beginnt deshalb nicht mit der Aussage „Intervalltraining wirkt“ . Der Mythos beginnt dort, wo daraus gemacht wird: Lockeres Ausdauertraining = ineffektiv. HIIT = maximal effektive Fettverbrennung.  So einfach ist die Physiologie nicht. Eine Studie und die berühmten „neunmal mehr“ Eine Arbeit, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht, stammt von Tremblay...

Plantarfaszie und Fußschmerzen - einfach mal die Füße rollen!

Schmerzen im Bereich der Füße können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Eine wichtige Rolle spielt die Plantarfascie, also die Bindegewebshülle im Bereich der Fußsohle. Die aus Kollagenfasern bestehende Faszie bildet ein dichtes, kaum elastisches Gewebenetz. Spannungen an einem Ende der Faszie werden unmittelbar zu anderen Ende weitergeleitet. Dabei muss allerdings auch berücksichtigt werden, dass die Faszien letztendlich ein Kontinuum bilden und mit Ende "Ansatzpunkte" oder "Zwischenstationen" beschrieben werden. Wird die Zehe ausgedehnt, spannt sich die Plantarfaszie und es entsteht ein Zug vom Fersenbein in Richtung Zehe. Dabei hebt sich das Fußgewölbe leicht an. Einschlafende Füße und auch entzündliche Prozesse können aus falschen bzw. schlechten Einlagen und funktionellen Fehlfunktionen sowie fehlender Gleitfähigkeit faszialer Strukturen herrühren. Trainingstipp : Das rollen der Plantarfaszie mit einem harten/festen Tennisball oder einer Blackroll-Mini...

Laufanalyse optimieren: mit funktionellen Bewegungstests (Functional Movement Screen)

Anlässlich des " Sommerkurses Sportmedizin " in Garmisch-Partenkirchen lud  mich der Orthopäde und Sportwissenschaftler Lutz Nitsche ein 2 Vorträge zu halten. Neben "Krafttraining im Radsport" durfte ich über "Funktionelle Bewegungsanalysen" referieren. Dabei stellte ich den Medizinern vor, wie funktionelle Bewegungsanalysen genutzt werden können, um die Ergebnisse einer Laufanalyse aufzuwerten. Live-Demonstration mit den Ärzten vor Ort! Dabei eignet sich insbesondere der " Functional Movement Screen ", um eine Laufanalyse durch objektive Befunde zu ergänzen. Nur so lassen sich wirklich passende und individualisierte Trainingsprogramme entwickeln, um den Laufstil nachhaltig positiv beeinflussen zu können. Anhand eines Beispiels aus der täglichen Arbeit bei iQ athletik  konnte ich, wie wichtig eine ergänzende funktionelle Bewegungsanalyse sein kann. Bei unserem Beispiel sorgte eine "funktionelle Dysfunktion" dafür, dass das Bild...

Die Grenzen der Technik: Kritik an der Herzfrequenzvariabilität (HRV)

Das ich dem Thema "Herzfrequenz-Variabilität" in seiner Aussagekraft kritisch gegenüberstehe ist nicht neu. Die Interpretationen und Ableitungen aus der HRV sind einfach nicht eindeutig belegt. Aktuell ist mein Vortrag zu diesem Thema auf dem 28. Internationalen Triathlon-Symposium im Band zum Symposium in Textform erschienen.

Pacing auf dem Rad im Triathlon (Ironman-Langdistanz)

Wenn Sie einen Triathlon auf der Lang- oder Mitteldistanz finishen möchten, spielt das Pacing - also die Belastung bzw. das Dosieren der Intensität eine sehr große Rolle. Wie schnell können Sie auf dem Rad fahren, ohne zu "überziehen"? Für Besitzer eines Leistungsmessers gibt es mathematische Ansätze eine Leistungsschwelle zu berechnen, an der man sich im Wettkampf orientieren kann. Allerdings sind diese Ideen nicht erfolgsversprechend, da der menschliche Organismus eben derart komplex ist, dass beispielsweise die Leistungsfähigkeit des Fettstoffwechsels eben anhand der Leistung nicht berechnet werden kann. Je besser der Körper in der Lage ist Fette auch bei höheren Belastungen zu verbrennen, desto schneller können Sie auch auf dem Radsplit fahren. Stress, Schlafmangel und die unzureichende Abstimmung der Nährstoffzusammensetzung kann die Leistungsfähigkeit Ihres Fettstoffwechsels reduzieren. Pacing-Test auf dem eigenen Rad Dennoch lassen sich im Stoffwechsel Veränder...

Wenn aus Messdaten Geschichten werden – was die Herzfrequenzvariabilität wirklich aussagt

Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist zunächst einmal etwas sehr Reales und Messbares. Das Herz schlägt auch bei einer scheinbar konstanten Herzfrequenz nicht wie ein Metronom. Die zeitlichen Abstände zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen variieren. Diese Variabilität wird unter anderem durch das autonome Nervensystem beeinflusst und lässt sich mit verschiedenen zeit- und frequenzbezogenen Verfahren beschreiben. Gerade darin liegt die Attraktivität der HRV. Ein komplexer physiologischer Vorgang wird messbar, Zahlen entstehen, Kurven können dargestellt und Veränderungen über die Zeit beobachtet werden. Die HRV wird deshalb in unterschiedlichen Bereichen untersucht und eingesetzt, beispielsweise in Medizin, Psychophysiologie und Sportwissenschaft. Im Sport ist insbesondere die Frage interessant, ob Veränderungen der HRV Informationen über Erholung, Trainingsbelastung und die Reaktion eines Athleten auf Training liefern können. Das grundsätzliche Problem beginnt also nicht bei der ...

Was ist eigentlich „funktionell“ am Functional Training?

Kettlebells , Schlingentrainer , instabile Unterlagen , Medizinbälle, ViPRs und möglichst komplexe Bewegungsaufgaben: Wer nach „ Functional Training “ sucht, bekommt schnell den Eindruck, funktionelles Training sei vor allem eine bestimmte Sammlung von Übungen und Geräten. Aber was macht eine Übung eigentlich funktionell? Der Begriff „Functional Training“ hat sich im Fitness- und Athletiktraining fest etabliert. Gleichzeitig ist erstaunlich unklar, was damit überhaupt gemeint ist. Mal bezeichnet er freie Übungen statt Maschinentraining, mal mehrgelenkige Bewegungen, mal Training auf instabilen Unterlagen und manchmal schlicht alles, was mit Kettlebell, Schlingentrainer oder anderen Kleingeräten durchgeführt wird. Genau hier beginnt das Problem: Aus einer Beschreibung des Trainingsziels ist zunehmend eine Produktkategorie geworden. Eine Übung ist nicht von sich aus funktionell Eine Kniebeuge ist nicht automatisch funktionell. Eine Beinpresse ist nicht automatisch unfunktionell. Eine Ü...

K3-Training im Radsport: Kraftausdauer am Berg – ein Trainingsmythos?

Kraftausdauertraining auf dem Rad gehört im Radsport seit Jahrzehnten zum festen Repertoire. In manchen Lehrbüchern wird ihm sogar ein eigener Trainingsbereich zugewiesen, meist unter der Bezeichnung K3 . Wo genau dieser Bereich liegt, hängt vom Autor ab: Mal wird er knapp unterhalb der Individuellen Anaeroben Schwelle (IAS) angesiedelt, mal an oder über ihr. Gemeinsam ist den verschiedenen Varianten meist das Prinzip: großer Gang, niedrige Trittfrequenz, bergauf oder gegen den Wind. Die Annahme dahinter lautet, dass man auf diese Weise die Kraftausdauer verbessert. Diese Annahme ist allerdings weniger selbstverständlich, als es der Begriff vermuten lässt. Ich habe das Thema bereits vor mehr als 15 Jahren in zwei Fachbeiträgen diskutiert ( Sandig, 2010 ; 2011). Zeit also für die Frage: Hält die damalige Kritik aus heutiger Sicht noch stand? Warum K3 kein Krafttraining ist Wer bei gleicher Leistung die Trittfrequenz reduziert, muss pro Kurbelumdrehung ein höheres Drehmoment erzeugen. D...

Den Fettstoffwechsel anfeuern? Train Low richtig einsetzen

In vielen Ausdauersportarten gehört die Verbesserung der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit zu den zentralen Trainingszielen. Seit Jahren wird dabei diskutiert, welche Rolle die Kohlenhydratverfügbarkeit für die Anpassung an Ausdauertraining spielt. Lange galt eine einfache Regel: Wer den Fettstoffwechsel trainieren möchte, sollte mit möglichst wenig Kohlenhydraten trainieren. Die Forschung zeichnet inzwischen ein differenzierteres Bild. Bei niedriger Kohlenhydratverfügbarkeit steigt während moderater Belastungen der Anteil von Fett an der Energiebereitstellung. Zudem kann ein reduzierter Muskelglykogenspeicher bestimmte molekulare Signalwege verstärken, die an der Regulation mitochondrialer Biogenese und weiteren Anpassungen des oxidativen Stoffwechsels beteiligt sind. Daraus ist das Prinzip „ Train Low “ entstanden: Ausgewählte Trainingseinheiten werden mit reduzierter Kohlenhydratverfügbarkeit durchgeführt. Ob aus diesen molekularen und metabolischen Veränderungen auch eine besse...

Was bringen Carbon-Einlagen im Radschuh?

Mehr Leistung durch Carbon unter dem Fuß? Im Radsport klingt das zunächst durchaus plausibel. Carbon ist leicht und steif, Carbonrahmen, Laufräder und Sohlen gehören längst zum High-End-Material. Warum also nicht auch eine Carbon-Einlage in den Radschuh legen und damit die Kraftübertragung verbessern? Genau mit solchen Argumenten wurden Carbon-Einlagen für Radfahrer und Triathleten beworben. Neben einer höheren Leistung wurden teilweise auch biomechanische Vorteile und sogar eine mögliche Verringerung von Überlastungsproblemen in Aussicht gestellt. Die entscheidende Frage ist allerdings nicht, ob eine solche Erklärung plausibel klingt, sondern ob sich der behauptete Effekt tatsächlich messen lässt. Plausibel ist noch lange nicht belegt Eine steifere Einlage könnte theoretisch die Druckverteilung im Schuh verändern oder die Verformung des Fußes beeinflussen. Daraus folgt aber noch nicht automatisch, dass mehr Leistung am Pedal ankommt. Noch schwieriger wird es, wenn aus solchen biomec...

Dürfen Kinder Krafttraining machen? Ein alter Mythos und was die Wissenschaft dazu sagt

„Krafttraining ist nichts für Kinder.“ – „Gewichte schädigen die Wachstumsfugen .“ – „Vor der Pubertät bringt Krafttraining sowieso nichts.“ Solche Aussagen begegnen einem bis heute. Dabei wurde die Frage, ob Kinder und Jugendliche Krafttraining betreiben dürfen, in der Sportwissenschaft schon vor Jahrzehnten intensiv diskutiert. Auch ich habe mich wissenschaftlich mit diesem Thema beschäftigt. Gemeinsam mit Michael Fröhlich , Andrea Pieter, Jürgen Gießing, Markus Klein, Andreas Strack, Hanno Felder, Klaus Blischke, Jens Stening, Eike Emrich und Dietmar Schmidtbleicher haben wir 2009 für die Zeitschrift LEISTUNGSSPORT den damaligen Forschungsstand systematisch aufgearbeitet. Die zentrale Frage lautete schon damals: Dürfen Kinder und Jugendliche Krafttraining betreiben – und sind insbesondere zusätzliche Gewichte für den wachsenden Organismus gefährlich? Vom Verbot zur Empfehlung Historisch wurde Krafttraining im Kindesalter tatsächlich lange kritisch gesehen. Befürchtet wurden unt...